Autorenblog

Monat: Juli 2020

Schneller ans Ziel mit mehr Vorarbeit?

Erinnert ihr euch noch an den Beitrag, eine halbe Ewigkeit ist’s her, der einen ganz ähnlichen Titel trug? „Immer den bunten Linien nach: schneller ans Ziel mit mehr Vorarbeit?“ ?

Wenn ja, dann erinnert ihr euch vielleicht noch daran, dass ich darin eine neue Arbeitsmethode vorgestellt hatte. Diese Herangehensweise wollte ich ausprobieren und sehen, ob sie meine Fortschritte positiv beeinflussen würde. Ich hatte auch angekündigt, einen Folgebeitrag zu schrieben, sobald ich ein bisschen etwas zu meinen Erfahrungen damit zu sagen hatte. Nun, der heutige Beitrag ist dieser Beitrag. Wenn ihr euch also den Ersten noch einmal durchlesen wollt ist das kein Problem, ich verlinke ihn hier.

Wie funktioniert’s?

Zur Auffrischung: Die Idee hinter dieser Methodik war, die Geschichte genauer durchzuplanen, bevor es ans Schreiben geht. Ich hatte damit begonnen, Zeitleisten mit den verschiedenen Handlungssträngen zu zeichnen, um genau zu sehen, in welchen zeitlichen Zusammenhang die wichtigen Ereignisse zueinander stehen. Dann schrieb ich detaillierte Beschreibungen der einzelnen Kapitel und Szenen, um schon im Voraus zu wissen, was genau passieren sollte. Die Hoffnung war, dass mir das beim Schreiben später Zeit sparen könnte.

Was hat sich seit dem geändert?

Das Wichtigste zuerst: Selbst der strengste Kapitelplan kann mich nicht vom Improvisieren abhalten. Das habe ich gelernt. Im Plan steht etwas von einer lockeren Atmosphäre und Entspannung für die Charaktere? Ein bedrücktes Beisammensein gefällt mir gerade aber besser. Ich habe dieses kleine Stück Handlung vergessen? Egal, funktioniert auch so.

Die Geschichte funktioniert immer noch dynamisch und hat ihren eigenen Willen.  Das ist gut so. Manchmal führt eine ausformulierte Szene nun einmal in eine Richtung, die man in den Stichpunkten noch nicht erahnen konnte. Etwas Nachbesserung hat da noch niemandem geschadet, eher im Gegenteil. 

Eine Auswirkung der Methode ist allerdings auch, dass ich noch stärker auf mein Notizbuch abgewiesen bin. Ich habe teilweise über zwei Seiten Notizen für nur ein Kapitel. Das kann ich mir nicht alles merken. Wo immer ich beschließe, zu arbeiten, muss ich auch das Notizbuch griffbereit haben, um nichts wichtiges zu vergessen.

Haben sich die Hoffnungen erfüllt?

Wie man es nimmt. Schreibe ich schneller? Nein, ich denke nicht. Es kommt immer noch vor, dass ich bei langsamen Szenen oder Übergängen ins Schwimmen gerate und nicht so recht weiß, womit ich diese Lücken füllen soll. Nach wie vor frisst diese Unschlüssigkeit Zeit. Hinzukommt, dass die Vorbereitung ziemlich zeitintensiv ist. Einer der Gründe, aus denen dieser Blogbeitrag erst so spät erscheint, ist, dass es mich Monate gekostet hat, meine Zeitleisten und Pläne zu schreiben.

Ein Reinfall also? Wieder nein. Mein Schreibtempo hat sich zwar nicht verbessert, aber dafür meine ich, einen Anstieg an Qualität zu beobachten. Ich habe dank der Vorbereitung ein besseres Verständnis dafür, In welche Richtung sich einzelne Handlungsstränge und Charakterentwicklungen bewegen. Ich habe das Ziel vor Augen. Plotholes und unnütze Szenen fallen schneller auf und können beseitigt werden, bevor viel Arbeit in sie investiert wurde. Ich kann die einzelnen Elemente besser koordinieren und aufeinander abstimmen.

Als kleiner Bonus habe ich so auch die Möglichkeit, Kampfszenen, die mir sonst große Schwierigkeiten bereiten, genauer zu choreographieren. 

Ich habe noch nicht sonderlich viel mit meiner neuen Methode geschafft, erst ein paar Kapitel. Zumindest bei meiner Wattpadgeschichte „Batsong“ bin ich allerdings echt begeistert davon, wie viel besser das Schreiben so geklappt hat.

Ich schreibe vielleicht nicht schneller, aber dafür, denke ich, besser. Und das ist mindestens genauso viel Wert, wenn nicht mehr.

Meine neue Methode behalte ich also erst einmal bei – so lange, bis mir etwas neues Einfällt 😉

Bis dahin: Habt eine schöne Zeit, und bis zum nächsten Mal!

Meine Notizbücher im Laufe der Zeit

Wenn ich schreibe, brauche ich nicht viel dazu: Einen Stift, Papier, wenn es an den Feinschliff geht, einen Laptop. Aber neben diesen offensichtlichen Dingen gibt es ein weiteres Werkzeug, das unerlässlich ist: Meine Notizbücher.

Über die Jahre habe ich ungefähr vier bis fünf von ihnen gefüllt. Sie haben mich durch einiges an Schreibarbeit und Projekten begleitet, in einer Zeit, wohlgemerkt, in der ich selber ziemlich gewachsen bin. Als ich mein erstes Notizbuch bekam, war ich zwölf, seitdem ist viel passiert. Ungefähr sechs Schuljahre zum Beispiel, oder meine erste Veröffentlichung.

Natürlich hat sich über die Jahre auch meine Art zu Arbeiten, mein Schreibstil und meine Herangehensweise geändert. Wie viel von diesem Wandel hat sich in meinen Notizen niedergeschlagen? Um das herauszufinden, habe ich die alten Bücher noch einmal durchgeblättert und mich auf eine kleine Zeitreise begeben:

Mein erstes Notizbuch war ein billiges kleines Heftchen, dass ich auf einem Geburtstag gewonnen hatte. Es ist zerknickt, hat einiges mitgemacht und auch der Inhalt ist mitunter schwer zu entziffern. Die ersten Seiten sind vor allem mit einem gefüllt:  Listen mit Geschichten, die ich irgendeinmal schreiben wollte. Je weiter man im Buch vorankommt, desto mehr werden diese kleinen Story-Pitches von Gedichten und tatsächlicher Planungsarbeit, das heißt Zeichnungen meiner fantastischen Welten oder Notizen zum Plot meiner damals aktuellen Arbeit, abgelöst. Es finden sich aber auch vermehrt Dinge, die rein gar nichts mit dem Schreiben zu tun haben. Mein kleines Brainstorming zur Gestaltung eines Geburtstagskuchens gehört dazu sowie eine Sammlung althochdeutscher Wörter. Ich hatte sie einfach so, aus Interesse aufgeschrieben. Ein sehr interessantes Detail ist auch, dass sich im letzten Teil des Notizbuches langsam auch  die englische Sprache in meine Gedichtsammlung schleicht.

Ein Trend, der sich im nächsten Notizbuch fortsetzt. Anders als im Ersten bin ich hier schon um einiges strukturierter vorgegangen. Anstatt bloß Ideen zu notieren habe ich Figuren in kurzen Texten genauer charakterisiert und mir Notizen zu Recherchen aufgeschrieben. Es enthält sogar schon eine grobe Ausformulierung des Plots meiner aktuellen Geschichte. Daneben stehen Links zu Schreibwettbewerben , die mich interessiert haben oder sogar Gedichte, die als Beiträge gedacht waren. Ich hatte sogar schon angefangen, mir Tipps für das Marketing der eigenen Bücher herauszuschreiben. Abgesehen davon gibt es natürlich auch weiterhin  Gedichte, die ich in Ruhe und zum Spaß geschrieben habe, genau wie auch im dritten Notizbuch.

Hier tritt aber der Gebrauch des Englischen und, vor allem zum Ende hin, das Plotten von Geschichten noch deutlich mehr zu Tage. Viele Geschichten, an denen ich im Augenblick noch arbeite, sind hier intensiv geplant. Das meiste ist also noch ziemlich frisch. Klappentext und Autorenvita zu „Die Inse der drei Völker sind hier zu finden. Auch sonst steckte ich deutlich mehr Arbeit in die Vorbereitung des Schreibens, auch in die Planung von Blogbeiträgen. Dazwischen sind Seiten verstreut, auf denen ich mich auf meine mündliche Abiturprüfung vorbereitet habe oder Einkaufslisten vermerkt wurden. Viele verschiedene Dinge fliegen da durcheinander.

In meinem aktuellen Notizbuch sieht die Sache hingegen anders aus. Es ist beinahe ausschließlich mit, für meine Verhältnisse, ausführlichen Kapitelplänen und Zeitleisten gefüllt. Sie sind Teil einer Methode, die ich sie seit einiger Zeit zum Plotten benutze (den entsprechenden Blogbeitrag gibt es hier). Die einzige Ausnahme ist die Vorbereitung einer Bastelstunde, die ich im November auf meiner Arbeitsstelle anleiten wollte.

Die deutlichste Entwicklung in diesen Büchern ist ein Wandel vom spontanen Schreiben hin zur Methodik. Der Anfang sind eindeutig Spielereien, plötzliche Ideen, die irgendwo abgelegt werden müssen. Es ist ein, wie ich finde, wunderschönes Durcheinander von Kreativitätsschüben, Langeweile und, manchmal, schlechten Tagen. Langsam, Schritt für Schritt, sind meine Notizen dann zu einer Art Arbeitsplatz geworden: Die Ziele lauten Effektivität und Produktivität. 

Aber beim Rückblick auf meine Notizbücher zählt nicht nur der Inhalt: Sie haben für mich auch einen emotionalen Wert, eben weil ich sie so oft so lange mit mir herum getragen habe.

Die einzelnen Gedichte reichen aus, um mich sofort wieder in den Augenblick ihrer Entstehung zurückzuversetzen. Auch,  wenn ich sie eigentlich schon vergessen hatte, sind die Bilder wieder da. Die Themen dieser Texte natürlich auch sehr persönlich, was sicher dazu beiträgt. Schreiben war für mich schließlich die einfachste Art, mich im Stillen mit mir selbst oder meinen Problemen auseinander zu setzten. Ich bin über ein paar alte Zeilen  gestolpert, bei denen ich mich fast erschrocken habe, so traurig klangen sie. Diese Bücher sind mit mir wirklich durch alle Höhen und Tiefen gegangen.

Ich habe es bis heute nicht über’s Herz gebracht, mein erstes Notizbuch in mein Regal zu stellen. Es liegt immer noch auf meinem Nachttisch, obwohl ich es schon lange nicht mehr für nächtliche Einfälle brauche. Ich wollte es wohl einfach dicht bei mir behalten.

Interessant ist aber, dass ich dieses Problem mit den anderen beiden Notizbüchern nicht hatte. Ja, sie sind mir auch sehr wichtig, aber ich hänge lange nicht so sehr an ihnen wie an diesem ersten.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich heute älter bin, aber ich denke auch, dass der verschobene Fokus der Notizbücher seinen Teil dazu beiträgt. Wie oben schon gezeigt: Mittlerweile ist es viel weniger „Ich“ und umso mehr „Arbeit möglichst gut machen“.

Das ist gut so. Aber gleichzeitig auch nicht. Denn Schreiben muss, ohne Frage, erwachsen werden und kann nicht immer Kindergekritzel bleiben. Aber ich finde den Gedanken schade, das spontane und emotionale daran zu verlieren – was passieren kann, wenn man sich zu sehr auf seine Deadlines und Pläne einschießt

Was ich aus meinem Rückblick mitnehme, ist, dass ich beim Schreiben große Fortschritte gemacht habe und stolz darauf sein kann. Vielleicht  sollte ich es aber nicht immer zu ernst nehmen. Produktivität und Fortschritt? Klasse! Aber es sollte auch okay sein, mit ein paar Reimen herumzuspielen oder aus einer Laune heraus einen kleinen Text zusammenzubasteln. Es muss nicht alles der To-Do Liste entsprechen.

Benutzt ihr Notizbücher, um eure Ideen festzuhalten und eure Geschichten zu planen? Wenn ja, hängt ihr genauso an den alten wie ich und habt sie noch bei euch herumstehen? Ich würde mich freuen, eure Schreib-Geschichten zu hören!

Habt eine schöne Zeit bis zum nächsten Blogbeitrag! 🙂

© 2020 Frauke Mählmann

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