Wenn es um die Entwicklung des eigenen Schreibstils geht, kriegen Autoren oft Tipps wie diese zu hören:

„Lies die Bücher, die andere geschrieben haben.“

„Schau, was andere Autoren machen und was dir daran gefällt.“

Die Ansicht, dass das Geschriebene anderer eine Art Werkzeug sein kann, um das Handwerk des Schreibens für sich selbst zu erschließen  ist weit verbreitet. Sie taucht immer wieder auf Schreibblogs, in Foren oder Ratgebern auf. Alleine beim Schreiben dieses Blogbeitrags bin ich auf mehreren Seiten darüber gestolpert ( Wie zum Beispiel hier, auf der Seite einer Schreibmentorin oder hier, auf dem Blog einer anderen Autorin).

Dass man Bücher nutzen kann, um an seinem eigenen Schreibstil zu feilen, scheint also weitgehend akzeptiert zu sein.  Aber funktioniert das auch unbewusst? Übernehmen wir beim Schreiben manchmal Elemente aus den Büchern, die wir gerade lesen? Basteln sie, ohne es zu merken, in unsere Manuskripte mit ein? Gibt es so etwas wie einen „Invasiven Schreibstil“, der von außerhalb in die Arbeit eingeschleppt wird, wenn auch nur vorübergehend?

Leider konnte ich zu diesem Thema weitaus weniger Meinungen finden und muss mich deswegen auf meine eigenen Erfahrungen beschränken. Und ich denke: Ja, der Schreibstil der Bücher, die ich lese, schwappt von Zeit zu Zeit in meine eigenen Arbeiten über.

Zum ersten Mal ist mir das vor einigen Jahren aufgefallen.  Ich hatte mir in der Schulbibliothek ein Buch ausgeliehen und mich bereits durch einen Großteil der Geschichte hindurch gegraben. Das Buch war nicht besonders gut. Die Sätze kamen mir plump vor und sagten mir nichts, ich fand es schwer, der Handlung zu folgen . Ich war, um ehrlich zu sein,  ziemlich froh als ich das Buch beendet hatte. Als ich mich danach an mein eigenes Manuskript setzte, bemerkte ich aber dass mir das Schreiben deutlich schwerer fiel: Ich rutschte immer wieder in die Ausdrucksweise des Buches ab, die mir so wenig gefallen hatte. 

Dieses Problem hielt sich zwar nur für einen Tag, aber es hat mich trotzdem zum Nachdenken gebracht.

Seit ich vermehrt Serien und Filme schaue ist mir außerdem aufgefallen, dass ich mir die Szenen meiner Bücher vermehrt visuell vorstelle. Ich muss mir dann wieder in Erinnerung rufen muss, dass Erzähltechniken für verschiedene Medien unterschiedlich funktionieren.  

Ich vermute dass das, was ich mir oft ansehe oder durchlese sich kurzeitig in mein Gedächtnis eingräbt und dann in später unbewusst abgerufen wird. Ähnlich funktioniert es ja auch, wenn wir uns an die Erzählmuster eines Genres gewöhnt haben und Teile der Handlung bereits erahnen können oder wenn wir häufig genutzte Formulierungen benutzen. Beispiele hierfür wären „Ein kalter Schauer lief ihr den Rücken hinunter“, wenn ein Charakter mit etwas Unheimlichen konfrontiert ist oder „Ihr Herz begann, wie wild zu klopfen“.

Wie bereits erwähnt, ich habe aber nur sehr wenige solcher Erfahrungen in Foren und anderen Seiten gefunden, weswegen mich eure Meinung interessiert. Gibt es so etwas wie einen „invasiven Schreibstil“? Habt ihr so etwas beim Schreiben schon einmal bemerkt?

Ich freue mich über Kommentare!

Habt ein schöne Zeit bis zum nächsten Mal! 🙂

 

 

 

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