Frauke Mählmann

Autorenblog

Poetische Lückenfüller #6 – Back to school

In mehr und mehr Bundesländern startet die Schule in ein neues Jahr, was bedeutet, dass jetzt auch alle, die in diesem Bereich arbeiten/ selber noch zur Schule gehen, zurück in den Trott von „frühmorgens aufstehen“ und „Etwas tun“ fallen müssen… kann es also eine bessere Zeit für ein kleines Gedicht geben?

Müde Menschen meistern leise

ihre „schnell zur Arbeit!“ – Reise

Bahnen bimmeln, Eltern stöhnen

während die Autohupen dröhnen.

Reicht der Tee wohl noch bis vier, und- ?

Der Schlüssel steckt noch in der Tür!

Hastig kramen, Karten suchen

beim Schaffner kleinlaut Tickets buchen

Die Ampel ist mal wieder rot,

bei Blitzlicht, das mit Bußgeld droht,

Gedankenkraft liegt noch im Kissen,

hat sich vom Kopfe losgerissen,

und von all den tauben Sohlen,

die hastig einen Kaffee holen.

Die Menge flucht und ärgert sich,

da, in da Mitte, gehe ich.

 

Eine produktive Woche euch allen!

Rückblick auf ein Jahr Selfpublishing

Jetzt, wo mein Buch bereits ein Jahr lang durch die Hinterstraßen des Internets treibt ( hatte ich das eigentlich schon erwähnt? 😉 ), dachte ich mir, dass es doch mal an der Zeit wäre, genau diesen Zeitraum mal etwas näher zu betrachten und zu schauen, wie diese ganze Sache eigentlich für mich gelaufen ist. Also holt die Spiegel raus, Leute, es ist Zeit für ein bisschen Selbstreflexion.

Von einem Arbeitsstandpunkt aus gesehen ist das, was einen nach der Veröffentlichung am meisten beschäftigt natürlich das Marketing – und das ist in etwa so ein Gefühl, als müsste man mit einem kleinen Stöckchen eine Kokosnuss aufbrechen. In einem Video eines englischsprachigen Youtubers ist mir in diesem Zusammenhang mal das Bild eines Männchens, dass mit dem Kopf gegen eine Mauer schlägt, untergekommen – sehr passend, wie ich finde. Nichtsdestotrotz, man gibt immer sein Bestes. Hier einmal die Maßnahmen, die ich ergriffen habe und wie es gelaufen ist:

  1. Dieser Blog. Als eine Art begleitendes Medium ist auch dieser Blog natürlich eines der Mittel, mit denen ich versuche, meinem Buch mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ich habe mir das letzte Jahr über Mühe gegeben, ihn so regelmäßig wie möglich zu führen ( Davon, dass dieser Beitrag nur mit viel Optimismus überhaupt noch am Montag hochgeladen wird, obwohl es eigentlich der Samstag sein sollte, nehmen wir jetzt einfach mal keine Notiz) und ihn abwechslungsreich zu gestalten ( Auch, dass das hier nun schon der dritte Beitrag ist, der den einjährigen Geburtstag des Buches thematisiert, wird von der Autorin gekonnt ignoriert ). Bedauerlicherweise hat er nur wenige Leser, wird seiner ursprünglichen Aufgabe also nicht ganz gerecht. Allerdings macht es mir großen Spaß, die kleinen Artikel zu verfassen und einfach ein wenig über Dinge zu schreiben, die für mich gerade Relevanz haben – also pfeifen wir mal bitte eben auf Aufmerksamkeit und geben diesem Format ein paar Spaß-Bonuspunkte 🙂
  2. Mein nächster Versuch, Leser zu erreichen, war damals, Blogger zu kontaktieren. Ich hatte das Netz bereits im Vorfeld der Veröffentlichung nach Buchblogs, die meinem Genre zu passen schienen, durchforstet. Ich habe bestimmt Stunden, ach was, Nachmittage, damit zugebracht, alte Beiträge zu lesen und abzuschätzen, ob dies eine passende Person sein könnte – nur um all das schnell wieder über den Haufen zu werfen. Entweder fühlte sich irgendetwas am Buchgeschmack der Blogger nicht ganz richtig an, oder sie wurden immer inaktiver, je länger ich sie beobachtete… auf die eine oder andere Weise realisierte ich schnell, dass ich auf diesem Weg nicht weiter kommen würde. Ich versuchte also einen anderen Trick: Bei meinen Recherchen war ich auf die Seite „Rezi-suche“ gestoßen, auf der sich sowohl Autoren als auch Blogger registrieren konnten. Ich fand die Idee damals klasse und konnte auch keine negativen Meinungen zu dem Konzept auf anderen Blogs finden, also probierte ich es aus. Anfangs war ich auch ziemlich begeistert – ich selbst habe eine ziemlich positive Bewertung hier auf dieser Seite geschrieben. Allerdings muss ich sagen, dass ich diese positive Meinung nach einiger Zeit revidieren musste. Ich bin zwar mit vielen Bloggern in Kontakt gekommen und habe viele Bücher verschickt, nach knapp einem Jahr ist daraus jedoch nur eine Rezension geworden. Keine besonders gute Bilanz.
  3. Wesentlich bessere Erfahrungen hatte ich da mit meinen Buchaktionen auf Lovelybooks. In der Leserunde, die ich im letzten Herbst veranstaltet habe, bin ich mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen und habe wahnsinnig hilfreiches Feedback zu meinem Buch bekommen. Fehler, die mir selbst gar nicht aufgefallen waren, wurden mir freundlich vor Augen geführt, sodass ich sie für den nächsten Band notieren konnte. Die Interaktion mit den Lesern war einfach super, und ich halte es für eine Möglichkeit, die man als Autor unbedingt wahrnehmen sollte. Auch die Buchverlosung, die momentan läuft, ist auf gute Resonanz gestoßen. Auf jeden Fall sehr schön.
  4. Mein jüngster Versuch der Öffentlichkeitsarbeit ist mein Twitteraccount @FraukeMahlmann. Auch hier ist nicht sonderlich viel los, aber es ist auf jeden Fall ein gutes Erlebnis, im Internet auf weitere Autoren zu stoßen. Die kleine Community zu entdecken ist es definitiv wert gewesen. Und ich stehe was das angeht ja noch ganz am Anfang. 

Abgesehen davon habe ich viel Unterstützung von anderen Leuten erhalten wie zum Beispiel von Lehrern (https://frauke-maehlmann.de/welcome-back-everyone ) oder Freunden. Aber um ehrlich zu sein: Irgendwie habe ich schon fast wieder vergessen, dass ich ein Buch veröffentlicht habe. Jedenfalls ist das schon lange nicht mehr das erste, was mir durch den Kopf schießt, wenn ich schaue, was in meinem Leben so vor sich geht. Manchmal ist es in Gesprächen noch für eine kleine Überraschung gut, aber für die meisten um mich herum ist das alles zum Normalzustand geworden, denke ich. Und das ist wohl auch gut so.

Also, nach dem Blick zurück, lasst uns den Blick nach vorne richten, Auf Band zwei. Und nicht auf die Uhr, ich will heute noch ein paar Zeilen schaffen.

 

Eine schöne Woche euch allen!

 

 

 

 

Happy Birthday

Ein Jahr ist es jetzt alt, mein Buch! 🙂 Das nehme ich mal zum Anlass,

  1. Mich zu freuen, und
  2. keinen Blogbeitrag zu schreiben.

Bis nächsten Samstag, ihr lieben, schöne Restwoche!

Leserunde

Wer diesen Blog schon länger verfolgt, dem ist möglicherweise aufgefallen, dass es bald schon ein ganzes Jahr her ist, seit mein Buch veröffentlicht wurde. Um das zu feiern, veranstalte ich eine Buchverlosung auf Lovelybooks.

Interesse? Zu finden unter https://www.lovelybooks.de/autor/Frauke-M%C3%A4hlmann/Die-Insel-der-drei-V%C3%B6lker-1661530409-w/buchverlosung/2150067096/

 

Schaut doch mal vorbei!

 

Ein schönes Wochenende noch!

Update Band 2

An dieser Stelle, einmal ein kurzes Update zum Arbeitsprozess des zweiten „Insel der drei Völker“ Bandes.

( Ja, ich arbeite tatsächlich noch daran und haue nicht nur kleine Gedichte raus)

Während des letzten halben Jahrs habe ich mich vor allem mit der Überarbeitung des ersten Hälfte meines ersten Entwurfes beschäftigt. Er hatte mir anfangs nicht wirklich gefallen, und das hat meinen Schreibfluss behindert. Ich habe also die Uhr nochmal zurückgesetzt und das Fundament kernsaniert.

Diesen Prozess konnte ich jedoch so ziemlich abschließen. Mir fehlt noch ungefähr ein halbes Kapitel, dann bin ich wieder da, wo ich die Story im Winter hängen gelassen habe. Warum ich das jetzt in einen Blogeintrag packe?

Nun, ich wollte etwas von meiner Erfahrung damit mit euch teilen. Dadurch, dass ich mich solange Zeit wirklich nur auf das Überarbeiten konzentriert habe, sind mir einige Dinge aufgefallen.

  1. Es ist erstaunlich, wie viel man selbst aus eher vernachlässigten  Passagen herausholen kann, wenn man sich die Zeit nimmt, und ihnen die Aufmerksamkeit gibt. Jetzt, am Ende der Überarbeitungsphase hat das Dokument fast einen doppelt so großen Umfang wie vorher – und hat deutlich an Qualität gewonnen, zumindest aus meiner Sicht. Aus nicht ganz zufriedenstellenden Sache kann also etwas durchaus Passables werden.
  2. „Finish your first draft“, beende deinen ersten Entwurf, ist ein häufig wiederholter Schreibtipp. Und selbstverständlich sollte das auch das Ziel sein, aber ich habe durch diese Arbeit gemerkt, dass es nichts ist, was man um jeden Preis umsetzen sollte. Ja, immer nur an der Geschichte herumzuwerkeln ohne sie zu beenden ist ein Fehler und beeinträchtigt das Vorankommen, aber wenn man wirklich merkt, dass irgendetwas nicht ganz rund läuft, sollte man auch den Mut haben, einige Dinge zu streichen und zu ändern. Ich bin jetzt, nach der ganzen Arbeit, um einiges glücklicher mit dem Projekt und freue mich auch viel mehr darauf, es tatsächlich zu Ende zu schreiben – einfach, weil es sich besser anfühlt. Sich die Zeit zu nehmen lohnt also.
  3. Ich habe mir im letzten halben Jahr pro Tag immer einen bestimmten Abschnitt vorgenommen, an dem ich arbeiten wollte. In einigen Fällen bedeutete das, dass ich eine Szene nochmal lesen und dann hier und dort ein paar Wörter tauschen oder einfügen musste, in anderen habe ich halbe Kapitel komplett von Grund auf neu geschrieben. Im Gegensatz zu meinem sonstigen Vorgehen hatte ich so beim Schreiben allerdings  ein klares Ziel, das ich am jeweiligen Tag schaffen wollte – oder, um es genauer zu sagen, einen klar definierten Stapel Arbeit, denn nicht selten hatte ich zwei oder mehr Seiten zu schreiben. Unter normalen Umständen ist eine Seite pro Tag schon recht viel für mich, aber dadurch, dass ich mich selbst gezwungen habe, diesen klar definierten Absatz fertig zu schreiben, habe ich mich nach und nach daran gewöhnt. Am Ende waren lange Passagen kein Problem mehr für mich. Die Übung hilft also tatsächlich, besser in den Schreibflow zu kommen und auch darin zu bleiben,

Das war`s auch schon wieder von mir! Ich setzte mich dann mal wieder zurück an mein angefangenes Kapitel…

Arbeitet ihr momentan an einem Projekt? wenn ja, wünsche ich euch viel Glück und Erfolg damit! Lasst euch nicht von kleinen Rückschlägen unterkriegen, und wenn ihr unzufrieden damit seit – traut euch ruhig, die Fehler auszubessern! Wenn ihr nicht glücklich seid mit dem , was ihr tut, ist Motivation nur selten vorhanden.

Eine schöne und erfolgreiche Woche!

poetische Lückenfüller #5 – Ferienedition

Und es ist wieder mal Zeit für einen poetischen Lückenfüller – nur dieses Mal ein bisschen anders. Die Sommermonate sind schon vor einiger Zeit angebrochen, und das bedeutet, das einige von euch sich auch wohl im Urlaub befinden werden. Vielleicht sogar im Ausland?

Vor diesem Hintergrund, dachte ich mir, wäre es doch angebracht, die Englischkenntnisse ein wenig aufzufrischen und ein fremdsprachiges Gedicht aus dem Hut zu zaubern. Als kleiner Bonus ist es auch während meiner eigenen kleinen Urlaubsfahrt auf einem niederländischen Campingplatz entstanden, also ein Urlaubsgedicht durch und durch… irgendwie jedenfalls…. 

Anders als meine anderen Lückenfüller stammt dieses Gedicht allerdings nicht aus meiner kleinen Wattpad Sammlung, sondern wird jetzt gerade zum ersten Mal auf das Internet losgelassen.

( Für alle, die es interessiert, lasse ich einen Link zu meinem Profil hier: https://www.wattpad.com/user/Saebel-Marie   . Außer alten Gedichten gibt es dort auch ein paar neuere Geschichten. Mag irgendwer Vampire? Oder vielleicht auch nicht und möchte sie verprügelt sehen? Wenn ja, give it a try.)

Holt also schon mal das Wörterbuch raus and buckle up, `cause here we go again, with a fun little poem:

 

The shadows grow stronger

as the sun starts to set

a young bird cries for it´s mother,

I guess it needs to be fed,

and I lost my knife in the woods.

 

I remember the days

when we would walk here as a pair,

If I close my eyes and breathe in

I still can feel you there,

But I lost my knife in the woods.

 

The sunlight used to dance

around your fingertips

and we would rest 

where now a gravestone sits.

I`m afraid I lost my knife in the woods.

 

There once was a time,

we would walk this path as three:

the young one ahead,

it was fine, we could see.

But lost my knife in the woods.

 

It rings in my ears,

the young bird cries out.

when little girls are scared,

they cry just as loud.

I lost my knife in the woods.

 

The shaddows grow stronger,

the shaddows you cast.

We once were so happy –

why couldn`t  you last?

I guess I lost my knife in the woods.

 

Your face was like daylight

but faded pale as the moon,

the young one smelled red

when she followed, so soon.

I lost my knife in the woods.

 

The knife was a gift,

I`m sorry, I know,

and I heard how you warned me,

but you reasoned so slow.

I`m sorry, I lost my knife in the woods.

 

My knife, were is it,

when I need it the most,

My knife, were is it?

It lies with you, by the coast.

I lost my knife in the woods.

 

The shaddows grow stronger,

they need to be fed,

And I wonder if those girls

will smell just as red.

I would now need my knife from the woods.

 

Vielleicht lade ich es zu Halloween noch einmal hoch. Was meint ihr, wie gut passt das hier in euer Langzeitgedächtnis? Komme ich damit durch? 😉

Unabhängig davon wünsche ich euch, dass ihr ein paar friedliche Wochen zum Erholen erlebt. Tut mir den Gefallen und nehmt euch die Zeit, zwischendurch ein paar Schritte zurückzutreten und ein paar mal durchzuatmen, ein wenig zur Ruhe zu kommen und alles um euch herum ein bisschen sacken zu lassen. Kommt oft zu kurz heutzutage, ist aber sehr wichtig! Passt auf euch auf und benutzt Sonnencreme.

Und weil es auch schon spät ist, schlaft gut. <3

Eine wirklich, wirklich schöne Woche!

+

 

 

 

 

 

 

 

 

Frauke Mählmann Shorts – Der Hut, der Spiegel und warum man die Tür vielleicht besser zu lassen sollte

Bevor ich anfange: Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Das hier ist dieser Versuch. Als eine Art neue Reihe, ähnlich wie meine poetischen Lückenfüller, habe ich vor, in Zukunft auch hin und wieder kleine Kurzgeschichten zu posten. (In Ermangelung eines besseren Namen taufe ich diese Rubrik vorerst „Frauke Mählmann Shorts“. Wenn eure kreative Ader etwas besseres ausspuckt, lasst es mich gerne wissen) 

Fokus dieser Kurzgeschichten ist die Sichtweise eines Charakters. Es kann sich um einen bekannten Nebencharakter aus meinem bereits veröffentlichten Buch handeln oder einen, der bisher nur in meinen Notizen existiert, das ist vollkommen egal. Das Ganze hat zum Ziel, vielleicht den Blickpunkt dieser ansonsten eher am Rand dahinvegetierenden Charaktere zu beleuchten – auch, wenn ich nicht immer klar machen werde, wer dieser Character ist und welche Rolle er genau spielt. Es sind nur kleine Fenster in ihre Psyche.

Nach dem wir das aus dem Weg geräumt haben: Hier ist mein erster Short! „Der Hut; der Spiegel und warum man die Tür vielleicht besser zu lassen sollte“

Der Stoff auf dem Hut schien die Farbe zu ändern, als sie mit ihren Fingern darüber strich. Es war, als würde sie dunkle Linien in die mintgrüne Fläche zeichnen.

Die feinen Härchen auf dem Stoff folgten der Bewegung ihrer Fingerkuppe. Ein seltsamer Stoff für einen Hut, fand sie. Sie war sich nicht sicher, ob er ihr gefiel. Was für ein Stoff war das hier überhaupt? Das wusste sie nicht. Sie hatte sich den Hut gekauft weil sie fand, dass er ein wenig so aussah wie die Hüte, die die älteren Damen im Fernsehen trugen und denen stand so etwas immer Recht gut. 

Sie setzte ihn auf. Ja, im Spiegel saß er auch auf ihrem Kopf ganz akzeptable. Aber war das genug? Etwas nervös begann sie an ihren Fingernägeln zu knabbern. Eindruck bedeutete heute alles.

Sie hatte ihre Schwester schließlich seit Jahren nicht mehr gesehen. Was würde sie sagen, wenn sie sie vor der Tür stehen sah? Würde sie denken, dass sie zugenommen hatte seit letztem Mal? Würde sie fragen, ob sie immer noch in diesem kleinen Waschsalon arbeitete?

Hoffentlich nicht. Es wäre ein wenig peinlich, zugeben zu müssen, dass sie es tatsächlich nie dort heraus geschafft hatte. Früher, als sie und ihre Schwester noch gesprochen hatten, hatte sie Pläne gehabt. Eine Familie gründen, vielleicht. Und wenn nicht das, dann wenigstens Karriere.

Nichts davon war passiert.

Ach du liebe Güte, nagte sie etwa schon wieder an ihren Fingernägeln? Erschrocken riss sie ihre Finger aus ihrem Mund und warf einen ertappten Blick über die Schulter. Die leere Wohnung starrte vorwurfsvoll zurück.

Eigentlich, dachte sie, während sie den Hut in eine etwas bessere Position rückte, sollte sie sich nicht so viele Gedanken machen. Tina war nicht in der Position auf ihre Lage herabzusehen. Ganz und gar nicht. War das nicht sogar der Grund gewesen, aus dem sie die ewig lange Funkstille unterbrochen hatte? Aus Mitleid zu ihr?

Hatte sie nicht deswegen am letzten Samstag das Telefon zur Hand genommen und todesmutig die Nummer ihrer Schwester gewählt? Weil sie geglaubt hatte, das die Ärmste ein bisschen Beistand brauchen konnte?

Sie hatte es über Umwege erfahren, das mit dem Mädchen. In einem Waschsalon bekam man so einiges mit.

Das Mädchen. Sie erschauderte bei dem Gedanken, und dann gleich nochmal, weil das doch im allgemeinen eine Reaktion ist, die man nicht bei dem Gedanken an seine eigene Nichte haben sollte.

Sie hatte versucht das Mädchen zu mögen, sie hatte es wirklich versucht. Sie hatte ihr Dinge zu Weihnachten gekauft und Kekse zum Geburtstag gebacken, man konnte wirklich nicht sagen, dass sie sich keine Mühe gegeben hatte.

Aber nichtsdestotrotz, irgendetwas an dem Kind hatte sie immer… abgestoßen. Anfangs war es nichts außer einem kleinen Ball aus Windeln und Sabber gewesen, später dann begann es, laute Geräusche zu machen und überall dort herumzulaufen wo es überhaupt nicht passte. Sie verstand nicht, was Tina und ihr Mann an ihr fanden.

Sie hatte immer das Gefühl gehabt, dass dem kleinen Ding das Gefühl für Respekt gefehlt hatte, und das hatte sie ihrer Schwester auch gesagt.

„Kinder sind nun einmal so, Anna“, echote deren Stimme in ihrem Kopf. Ihr Mundwinkel zuckte verärgert bei der Erinnerung. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie selbst als kleines Mädchen anderen nicht vor die Füße gestolpert war. Jedenfalls nicht, während diese anderen Teekannen trugen. Wozu hatte man schließlich Augen im Kopf? Und das kleine Mädchen hatte Augen gehabt. Das war also keine Entschuldigung. 

Tina hatte nicht auf sie gehört. Natürlich nicht, das tat sie nie. 

Sie fragte sich, ob ihre Schwester das wohl bereute, im Angesicht jüngerer Ereignisse.

Sie warf einen Seitenblick zur Tür. der kurze Flurabschnitt, den es zu Durchqueren, sah heute nicht besonders einladend aus. Ihre Augen fanden zurück zum Spiegelbild. Sollte sie wirklich?

Sie konnte genauso gut zuhause bleiben und…

Ja, was eigentlich?

So spontan wollte ihr so gar nichts einfallen, womit sie ihre Zeit verbringen könnte.

Also schön. Für Tina. Sie seufzte und richtete sich ein wenig auf. Sie würde das hier durchstehen. Wie schlimm konnte das Familientreffen schon werden?

 

Und das war es auch schon wieder für diese Woche! 

Bis zum nächsten Mal!

 

Schreiben ist wie…. #2

Schreiben ist wie Flechten. Man muss einen Erzählstrang über den Nächsten legen, um eine ausgewogene Geschichte zu erhalten, ein schönes Muster, wenn man so will, und für die entsprechende Abwechslung sorgen.

 

 

Ein kleiner Zusatz zu letztem Mal. Eine schöne Woche!

A Hitchhikers guide to mindblow

Schreiben ist nicht gleich Schreiben. Es gibt viele verschiedene Wege und Arten, an eine Geschichte heranzugehen und noch einmal doppelt oder dreimal so viele Schreibstile.

Einige Autoren stellen ihre Charaktere ins Zentrum ihrer Geschichte. Sie sind, was das Buch voran zieht, und der Plot fließt gesteuert durch ihre Emotionen dahin, sie sind das Herzstück des Werkes. Andere fokussieren sich beim Schreiben auf die Handlung. In diesen Büchern ist sie die treibende Kraft, die die die Charaktere herum schiebt. Es kommt immer ein wenig darauf an, welche der beiden Seiten die ist, die den Leser in ihren Bann ziehen soll, welche das Scheinwerferlicht abbekommt und ob der Plot auf die Charaktere reagiert oder die Charaktere auf den Plot, aber unabhängig davon, welche der Varianten man wählt, man darf die andere Seite auch nicht vernachlässigen. 

Soweit, so gut. Verschiedene Autoren haben verschiedene Vorlieben, und zu verschiedenen Zeiten oder Epochen sind verschiedene Stile beliebt bzw. in Mode gewesen (Hierzu: Ein älterer Blogbeitrag, der sich auf die Entwicklung des Plot/Charakter Verhältnises und „Der Herr der Ringe“ bezieht: https://frauke-maehlmann.de/schreibstile-im-laufe-der-zeit), aber alles bewegt sich irgendwo, zwischen „sehr charakterbetont“ und „sehr handlungsbetont“

So dachte ich zumindest.

Ich war nicht darauf vorbereitet, was mich in diesem Buch erwarten würde.

„Dieses Buch“ ist, wie einige wohl schon aus dem Titel erraten haben könnten, „The Hitchhiker´s Guide to the Galaxy“ oder auch, in der deutschen Übersetzung, „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams. Und der Grund, aus dem es mich so von den Socken gefegt hat, ist, dass es dieses kleine Weltbild von mir in die Hand nahm, mit den Schultern zuckte, und gezielt in der Abfalltonne versenkte.

Das Problem ist nämlich, dass die wahren Protagonisten dieses Buches nicht die Charaktere sind. Die wunderbar bunt zusammengewürfelte Gruppe aus schrägen Vögeln, die Adams seinen Lesern vorsetzt sind einzigartig und unheimlich interessant, aber trotz ihrer Originalität sind sie nicht die treibende Kraft hinter der Geschichte. Während sie von ihrem Kosmos hin und her geschleudert werden, sind ihre eigenen Wünsche oder Emotionen so unbedeutend, dass sie allerhöchstens als Material für Witze Verwendung finden. Es geht nicht um ihre Entwicklung. Arthur Dent überlebt als einziger Mensch die Zerstörung seines Heimatplaneten? Man, so etwas kann einem echt die Laune verderben, aber habe ich dir schon diesen coolen Typen mit den zwei Köpfen vorgestellt? Ein anderer Charakter stellt fest, dass er selber sein eigenes Gehirn so weit manipuliert hat, dass er einen ihm nun vollkommen unbekannten Plan verfolgt ohne es zu wollen? Kaum der Rede wert.

Dies führt dazu, dass die Charaktere sich fast ein wenig austauschbar anfühlen, was man daran merkt, das einige von ihnen für längere Zeit einfach so von der Bildfläche verschwinden können. Man fragt sich, wo sie geblieben sind, aber die Geschichte funktioniert genauso gut ohne sie. Sie sind offensichtlich nicht der Fokus der Geschichte.

Die Handlung allerdings auch nicht. 

Zwar schickt sie uns auf höchst unterhaltsame Art durch Raum und Zeit, aber auch sie ist nicht wirklich das, was das Buch ausmacht. Viele verschiedene Handlungsstränge werden aufgegriffen, lösen sich dann aber teilweise recht antiklimaktisch auf, mit den Erwartungen der Leser wird ein wenig gespielt, aber sie werden selten erfüllt. Nichts davon folgt dem gewohnten Weg eines Buches.

Sowohl die Charaktere, als auch die Handlung sind nichts weiter als Kulissen für den wahren Star:  Die schriftstellerischen Spielereien und den Humor, den Adams in seine Geschichte eingewoben hat.

Es ist in diesem Buch beinahe egal, wem was passiert. Es scheint so, als könnte man es komplett durch die normale Morgenroutine irgendeines X-beliebigen New Yorker Zeitungsverkäufers ersetzten, ohne, dass das Werk irgendetwas von seinem Charme einbüßen müsste. Es ist wirklich eine außergewöhnliche Art zu schreiben, die ich sonst noch nie so gesehen habe.

Es ist immer wieder schön, auf so eine Überraschung zu stoßen. Jeder schreibt anders, und einige setzten sich sehr von allen anderen ab. Das hier ist einer dieser Fälle.

Was man daraus mitnehmen kann ist, dass es in Ordnung ist, auf seine eigene Weise zu schreiben.

Wer weiß? Vielleicht stehst du mit deiner eigenen Art zu schreiben genauso auf einer Goldmine wie Douglas Adams.

 

Eine schöne Woche noch! 

 

 

„Schreiben ist wie…“ Eine Sammlung

Eine Sprache, die Bilder im Kopf der Leser heraufbeschwört, ist ein essentieller Teil des Geschichtenerzählens. Oft werden hierfür veranschaulichende Mittel wie Metaphern oder Vergleiche genutzt, vor allem, wenn es um etwas abstraktes wie Gefühle oder Ähnliches geht, dass sonst schwer zu beschreiben ist.

Da stellt sich die Frage: Ist nicht das Schreiben, das Aufbauen und Ausformulieren einer Geschichte, auch etwas eher abstraktes, das sich nur durch Vergleiche wirklich erklären lässt?

Ich denke, ja. Möglicherweise liegt das aber auch daran, dass ich aktiv nach solchen Vergleichen suche… eine Angewohnheit 😉 

Also, warum nicht einen Beitrag daraus machen? Hier folgt meine kleine Sammlung von Sätzen, die mit „Schreiben ist wie…“ beginnen.

 

Schreiben ist wie Puzzeln. Manchmal zumindest. Man hat einige Stücke zusammen, einige Szenen, von denen man weiß, wie sie ablaufen werden, aber manchmal ist eine Lücke zwischen ihnen. Ein Puzzelteil fehlt, und man kriecht über den imaginären Boden, um dieses letzte Stück irgendwo doch noch zu entdecken. Versteckt es sich vielleicht hinter dem Charakter-Arc dieses Nebencharakters? Oder ist es unter das Worldbuilding gerutscht? Ohne diese eine Stelle scheint die Geschichte unvollständig zu sein. Man hat zwar die Eckstücke beisammen und ein Bild ist zu erkennen, aber in der Mitte prangt ein hässliches Loch, das gefüllt werden muss. Es kann aber auch so sein, dass verschiedene Stücke an verschiedene Stellen zu passen scheinen – dann muss man ein wenig herumprobieren, bis alle Zacken gut ineinander greifen und das fertige Ding vor einem liegt. Und weil ich Puzzle nie gerne mehr als einmal zusammengesteckt habe, ist, wenn alles fertig ist, nur noch eins zu tun: Alles auf Pappe zu fixieren und es stolz aufzuhängen. Aber das ist nur eine persönliche Vorliebe.

Schreiben ist, als würde man an einem Holzstück herumschnitzen, und einfach nicht aufhören. Vielleicht schnitzt man einen Löwenkopf, fängt an, die groben Züge des Tieres in das Material zu schneiden, arbeitet die Details immer feiner heraus, bis es als solcher erkennbar ist. Aber dann macht man trotzdem noch weiter, weil man immer noch Stellen findet, an denen dies oder das noch ein bisschen mehr abgerundet oder herausgestellt werden könnte, so lange, bis man mit einer Nadel daran herumkratzt und die Details selber fast nur noch mit einer Lupe erkennt, Irgendwann muss man aber aufhören. Sonst ist kein Löwenkopf mehr da.

Schreiben ist, als würde man ein Buch rückwärts lesen. Man kennt das Ende, findet aber erst nach und nach heraus, wie es wirklich dazu kam und wieso die Dinge so stehen wie sie es tun. Dinge, die man als gegeben hingenommen hat, beginnen, Sinn zu ergeben, während man über Begebenheiten stolpert, von denen man nicht wusste, dass sie vor diesem Ende passieren müssten.

Schreiben ist, als müsste man jemandem mit Händen und Füßen eine Wegbeschreibung geben. Man hat genau die Bilder der Orte und Straßen im Kopf, denen der Fremde folgen muss, ist aber in der Kommunikation auf ein Medium beschränkt und hat keine Möglichkeit zu überprüfen, ob der Gegenüber die Hinweise versteht.

Schreiben ist, als ob man blind einen Marathon läuft. Weil man es nicht sehen kann, fühlt es sich so an, als würde man dem Ziel nie näher kommen. Man läuft und läuft, und irgendwann beginnt man sich zu fragen, ob da überhaupt jemals ein Ende kommt. Bis man irgendwann angekommen ist. Dann fragt man sich nur noch, wie um alles in der Welt man von dort, wo man die Augenbinde angelegt hat und los gelaufen ist, an diesen vollkommen anderen Ort gelangen konnte.

Diese Liste mit fünf Beispielen ist natürlich alles andere als vollständig. Wenn ihr weitere Ideen habt, schreibt sie in die Kommentare! Ich bin gespannt, wie eure „Schreiben ist wie…“ Sätze aussehen.

Eine schöne Woche euch allen.

In der nächsten Woche wird es voraussichtlich keinen Beitrag geben – Ich werde im Urlaub sein.

« Ältere Beiträge

© 2019 Frauke Mählmann

Theme von Anders NorénHoch ↑

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.