Frauke Mählmann

Autorenblog

Frauke Mählmann Shorts – Das Lächeln

„Sie hatte immer Schauspielerin sein wollen, und Schauspielerin war sie geworden.“

So hatte sie sich die ersten Sätze ihrer Autobiografie vorgestellt, als sie ein kleines Mädchen gewesen war. Beinahe schmerzhaft spannte sich die Haut ihrer Lippen, als sich ihre Mundwinkel zuckend nach oben bewegten.

„Ich weiß einfach nicht, was ich noch tun soll“, etwas hilflos fuhr der Junge ihr gegenüber mit den Händen durch sein schlampig gekämmtes Haar, „Ich stecke so viel Arbeit hinein, dass ich gar nicht weiß, wo ich noch…“

Ihre Zähne hatten im Scheinwerferlicht auf der Bühne geleuchtet, hatten selbst gestrahlt mit der Leichtigkeit eines Menschen, der seinen Sitzplatz für den nächsten Tag bereits gebucht hatte und sich keine Gedanken mehr zu machen brauchte. 

„… aber alles, was ich als Ergebnis herausbekomme, ist bestenfalls mittelmäßig, und ich weiß einfach nicht…“

Mit beiden Armen hatte sie ihr Lachen ausgeteilt, hatte es in die Menge geworfen wie Konfetti, und die Menge hatte mit gelacht, mit geweint, im dunklen Zuschauerraum.

„… sehe einfach nicht, was ich anders machen könnte…“

Ja, was hätte sie anders machen können? je größer der Zuschauerraum wurde, desto schwächer wurden ihre Arme, desto weniger weit konnte sie werfen, bis ihr Lachen taumelnd von der Bühne kippte, zurückgeprallt an Kameralinsen wie ein Bumerang und zurück in ihr ins Gesicht.

Ihr Kopf wog zentnerschwer, während sie verständnisvoll nickte.

Sie hatte immer Schauspielerin sein wollen, und Schauspielerin war sie geworden.

 

 

Poetische Lückenfüller #7

Da is` ne Leiche in der Disko,

doch die Tanzfläche, die bebt,

so, dass diese eine Leiche

weiter auf den Beinen steht.

 

Augen blicken starr ins Leer,

doch das Blitzlicht lässt sie springen,

während all die lauten Leute

ringsherum nur weiter singen.

Und war da nicht ein Zucken, 

hier im Nebel, hier im Dunkeln?

Ihr Gesicht scheint fast lebendig,

doch nur die Ohrringe, die funkeln.

Da is`ne Leiche in der Disko,

doch die Tanzfläche, die bebt,

so, dass diese eine Leiche

weiter auf den Beinen steht.

 

Gibt es irgendwen, der wartet

auf sie, deren Fleisch schon pellt?

Oder kennt sie nur die Masse, 

die auf ihren Schein `reinfällt?

Ja, ihr Dunst beginnt zu stinken,

doch es wird nicht registriert,

weil Vodka in so großen Mengen

irgendwann die Zeit einfriert.

Und der Beat ersetzt den Herzschlag

im Brustkorb voller Spinnenweben,

rupft an den feinen Seidensträngen

als wären es Gitarrenfäden.

Wer muss schon denken, wenn am Abend

alles sowieso verschwimmt

und einen eine blinde Masse

so sinnlos mit ins Treiben nimmt?

 

Da is`ne Leiche in der Disko,

sie ist dort schon die ganze Zeit,

ich kann sie von der Theke sehen

und ich glaub, sie tut mir leid.

 

Mal wieder ein kleines Gedicht, zur Abwechslung.

Eine schöne Woche! 🙂

Kaffeetassen und Bücherberge – Die Frankfurter Buchmesse 2019

Wie einige von euch vielleicht wissen, habe ich meinen eigentlichen Uploadtermin am Samstag ( zur Abwechslung einmal ) mit einer annehmbaren Entschuldigung verpasst: Anstatt zuhause an meinem Schreibtisch in die Tasten zu hauen, habe ich mich nämlich auf der Frankfurter Buchmesse herumgetrieben!

Die Messe besuche ich ja gewissermaßen „nur zum Spaß“, bin also nur zum Umschauen und Entdecken da, und nicht, um ernsthaft an meinem Profil als Autorin zu feilen, aber dennoch ist es auch in diesem Jahr wieder ein wirklich tolles Erlebnis gewesen, für das sich die Anreise gelohnt hat.

Das muss etwas heißen, denn die Anreise selbst war schon recht abenteuerlich: Meine Reisebegleitung, eine gute Freundin von mir, und ich mussten uns nicht nur um drei Uhr früh aus den Federn kämpfen, sondern dann auch leicht verwirrt über eine größtenteils dunkle Autobahn navigieren. Ein Hoch auf den Kaffee, den wir in weiser Voraussicht am Morgen noch in die Taschen gestopft hatten – und auf die Raststätten, an denen es immer Nachschub gab. 

Wir hatten uns schon vor Fahrtbeginn ein Parkhaus herausgepickt, dass wir anpeilen wollten – schön dicht am Messegelände. Angekommen sind wir dort allerdings nie, da wir vor Frankfurt dann doch den Schildern nach „Parkplatz Buchmesse“ folgten und erst zu spät bemerkten, dass wir eigentlich gar nicht da waren, wo wir hinwollten. Tickets hatten wir zu dem Zeitpunkt noch keine – wir hatten auf die ermäßigten Tickets, die uns unser Bundesfreiwilligendienst ermöglichen sollte, spekuliert. Zum Messegelände sind wir gelaufen. Und um diesbezügliche Fragen schon im Voraus zu beantworten: Ja, wir haben die Shuttlebusse gesehen. Nein, wir sind nicht eingestiegen und vor allem, ja, das war nicht unsere beste Idee, wie sich vor allem am Abend mit den vollen Taschen herausstellte. Nach einer guten halben Stunde und mehreren Meinungsverschiedenheiten mit Google Maps kamen wir aber trotzdem sicher an der Tageskasse an.

Die Messe selbst ist immer wieder umwerfend. Überall ist irgendetwas los, überall passiert etwas oder gibt es etwas zu sehen, man weiß gar nicht so richtig, wohin. Meine Begleitung und ich sind zunächst ein bisschen durch die Stände der Internationalen Aussteller in Halle vier oder fünf ( Wir hatten uns immer noch nicht richtig orientiert, und dass wir am Eingang einen Lageplan eingesteckt hatten, fiel uns erst kurz vor unserem zweiten Frühstück wieder ein) geschlendert, bis wir auf den Weg zu Halle drei stießen, wo wir dann auch den Vormittag und einen Teil des Nachmittags verbrachten. Das ist eines der Dinge, die mir an der Buchmesse so gefallen: Es ist gar nicht notwendig, sich vorher genau über Veranstaltungen zu informieren, man kann auch einfach durch die Gänge gehen sehen, was man findet. das ist auch genau das, was wir gemacht haben: Stände, die uns interessierten, wurden ein wenig genauer begutachtet, an einer Stelle ließ sich eine alte Druckerpresse ausprobieren und hier und da wurde man für eine Umfrage abgefangen – auch wenn weder ich, noch meine Freundin viel zu Schulplanern und Büchern von Instagram-Influencern sagen konnten.

Apropos Bücher: Am Ende des Tages hatte ich um einige mehr, als ich jemals eingeplant hatte. 

Wie man vielleicht erkennt, bin ich ganz unerwartet doch wieder meiner kleinen Phase mit den ganz alten Klassikern verfallen. Es ist ein wahres Wunder, dass ich nicht noch mehr dieser Schätze mit nach Hause geschleppt habe – und ein Glück, denn viel mehr hätte der Jutebeutel auch nicht fassen können.

Sagte ich übrigens, ich sei nur zum Spaß auf der Buchmesse gewesen? Die vielen Flyer diverser Anbieter und Autorenprogramme zwischen meinen Einkäufen sprechen eine andere Sprache. Jegliches Infomaterial, dass in ferner Zukunft einmal von Interesse sein könnte, wurde in der Tüte über meiner Schulter versenkt, auch wenn ich Programmen wie Papyrus nicht ganz so viel abgewinnen kann – das Plotten und die Charakterentwicklung mache ich lieber in meinem guten alten Notizbuch, da bin ich altmodisch. Viele Funktionen, gerade die, die Qualität der Texte verbessern sollen, klingen zwar unheimlich nützlich, aber nur dafür ist es mir dann um Einiges zu teuer.

In ein oder zwei Vorträge haben wir auch reingehört, unter anderem die Gedichtvorträge der Gewinner des Lyrix-Wettberwerbs, aber lange sind wir selten stehen geblieben. Vom Gastland Norwegen haben wir vor allem in unserer längeren Mittagspause in einem der Restaurants etwas mitbekommen. Wir hatten uns eine angebliche Spezialität bestellt, die trotz der gewöhnungsbedürftigen Farbe (grüner Kartoffelbrei….) ziemlich gut schmeckte.

 Ich habe zwar in den letzten Monaten wenig Zeit dazu, die Serien und Filmreihen, die mich interessieren, zu verfolgen, aber mit einem Bein steht man dann doch immer noch in seinen Fandoms drin, und so war für uns auch die Cosplayecke der Buchmesse ein Muss. Den ganzen Vormittag über hatten wir schon ein Cosplay-Bingo gespielt, bei dem wir die Charaktere, die wir in der Menge fanden, durchstrichen, und als dann endlich die Erste von uns ein Bingo erreicht hatte (Leider nicht ich), trauten wir uns auch dort hinüber. Der Bereich der Cosplayer war in diesem Jahr aber leider um Einiges kleiner als im letzten Jahr, und ziemlich überfüllt, sodass wir bald nach draußen flüchten mussten.

Meinem Empfinden nach ist das generell ein großes Problem auf der Messe: Der Platz. Selbstverständlich wird es eng, wenn viele Menschen eine Veranstaltung besuchen, aber in einigen Situationen kam es mir dann wirklich sehr viel vor. So fand beispielsweise am Stand des Droemer-Verlages eine Signierstunde mit Sebastian Fitzek statt, weswegen sich natürlich eine gewaltige Schlange bildete, die drei Standreihen weiter noch die Gänge verstopfte. Wo Leute stehen, ist es für alle anderen schwer zu gehen, und das kann unangenehm werden.

Nichtsdestotrotz habe ich eine sehr schöne Buchmesse erlebt, und ich freue mich auch wirklich schon auf das nächste Jahr. Am Ende des Ganzen möchte ich noch erwähnen, dass sowohl Kaffeemaschinen als auch die Rollbänder für Fußgänger, die zwischen den Hallen der Messe manchmal installiert sind, in die Kategorie „hervorragende Erfindungen gehören.

Eine wunderschöne Restwoche euch allen!

Immer den bunten Linien nach: Schneller ans Ziel mit mehr Vorarbeit?

Immer wieder passiert es mir: Das Schreiben geht flüssig von der Hand, alles scheint sich so zu entwickeln, wie es soll, aber dann, ganz plötzlich, bleibe ich stecken, als hätte sich mitten in meinen ach so tollen Überlegungen ein Loch mit Treibsand aufgetan. Ein kleines Detail in der Geschichte, dem ich vorher keine Beachtung geschenkt habe, stellt sich quer und sorgt für Logikfehler, oder ich hatte das ganze Szenario doch nur sehr vage in meinem Kopf ausgestaltet, grob skizziert gewissermaßen, so dass ich jetzt, wo ich es schreiben soll, gar nicht so richtig weiß, was damit anzufangen ist. Solche Situationen sind ärgerlich und halten mich oft auf, darüber hinaus habe ich das Gefühl, dass die Qualität des Endproduktes darunter leidet.

 Ich habe mir deswegen schon vor einiger Zeit vorgenommen, mehr Energie in meine Vorarbeit zu stecken (genau genommen ist das schon ein Jahr her… nach zu lesen hier) und, was soll ich sagen – ich habe mich jetzt endlich hingesetzt und angefangen, ein System auszutüfteln, von dem ich hoffe, dass es mir hilft, den Überblick zu behalten. Es ist erstmal nur ein kleiner Versuch an meinem Lieblings-Schreiblabor: Meinen Wattpadgeschichten, die in letzter Zeit wirklich unverhältnismäßig oft Erwähnung hier im Blog finden. Und da ich ja immer auch nach Themen für diese Seite suche dachte ich mir, ich lasse euch ein wenig daran teilhaben, wie sich diese neue Methode so für mich entwickelt und ob sie mir weiter hilft.

Grundsätzlich habe ich bereits angefangen, ein kleines System von Zeitstrahlen zu zeichnen: Einen für jeden Handlungsstrang, in verschiedenen Farben, um einen Überblick darüber zu haben, wie die verschiedenen Punkte miteinander in Verbindung stehen und sich gegenseitig bedingen. Ungefähr so:  

Danach plane ich, einen möglichst detaillierten Kapitelplan zu erstellen, in dem ich festlege, was genau in welchem Kapitel passieren soll. Damit hätte ich dann von vornherein ein Grundgerüst stehen und müsste es nur noch mit dem tatsächlichen Text verkleiden. Die Idee dabei ist, dass ich keine Zeit mehr darauf verwenden muss zu überlegen, wie ich von A nach B komme, sondern mehr Energie in das tatsächliche Schreiben stecken kann.

Ist das realistisch?

Ich weiß es noch nicht. Aber dafür sind wir ja schließlich hier, oder nicht? Zum ausprobieren!

Ich melde mich mit diesem Thema zurück, sobald ich ein bisschen damit gearbeitet habe!

Bis dahin, einen schönen Tag!

 

Herrenlose Bücherkisten oder was am Ende bleibt

Das Erste, was ich mir anschaue, wenn ich das Zimmer einer anderen Person zum ersten Mal betrete, ist oft das Bücherregal. Ganz unbewusst wandert mein Blick dorthin und scannt die Buchrücken nach bekannten Titeln ab. Was für einen Buchgeschmack hat diese Person? Gibt es da vielleicht etwas, dass ich selber auch lese? Passt das zueinander? Es ist fast wie ein Automatismus, der sich nun einmal so eingeschleift hat. Trotzdem habe ich über eine Sache nie viel nachgedacht: Was passiert mit den Büchern, die jemand nicht mehr im Schrank haben will?

In meinem Bundesfreiwilligendienst bin ich in letzter Zeit des Öfteren über Kisten voller Bücher, die von anderen Leuten abgegeben bzw. gespendet werden, gestolpert und ich dachte, dass ich ein paar Dinge, die mir so unter die Finger kommen, mal mit euch teilen wollte:

 

Alte Schätze

Immer wieder kommen mir beim Durchsehen der Bücher Exemplare einer Reihe unter, die ich selber gerne gelesen habe, als ich jünger war. Vor ein paar Tagen erst sind mir mehrere Bänder der „Fünf Freunde“ Reihe von Enid Blyton ins Auge gefallen, und schon vor einiger Zeit habe ich unter all den Seiten die beiden „Jim Knopf“ Bücher von Michael Ende ausgegraben, die ich zwar als Kind nur einmal gelesen hatte ( für meine Verhältnisse wirklich wenig), deren Geschichte mir aber auch durch die Fernsehserie sehr in Erinnerung geblieben war. Es ist ganz schön, diese alten Freunde noch einmal aufzuschlagen und ein paar Zeilen zu lesen, aber auch Schade – irgendjemand hat sie schließlich gerade aussortiert.

 

Unbekanntes

Immer wieder stoße ich auch auf Bücher, die ich nicht zuordnen kann, weil ihnen der Schutzeinband mit dem Cover fehlt oder kein Klappentext vorhanden ist. Wenn ich trotzdem wissen will, was sich darin verbirgt, lese ich normalerweise schnell in das erste Kapitel hinein. Das ist dann ein bisschen wie Buch-Roulette: Manchmal verbirgt sich hinter einem Einband, der sich weigert, irgendetwas über den Inhalt preis zu geben, eine alte Märchensammlung, die ich nur ungern wieder bei Seite lege, oder aber zäh fließender Text ohne jeden Entertainmentwert. Man weiß es nie.

 

Aussagekräftige Kombinationen.

Die Bücher werden meistens in größeren Mengen abgegeben, das bedeutet, dass die Bücher, die sich eine Kiste teilen, im Normalfall aus dem selben Haushalt stammen. Das ist in den meisten Fällen kaum auffällig – viele Kisten sind gut gemischt und enthalten verschiedene Richtungen, auch wenn in manchen die Groschenromane dann doch etwas zu stark vertreten sind für meinen Geschmack. Einige andere aber sind derart penetrant mit Büchern einer bestimmten Richtung gefüllt, dass ich mich frage: Wem hat das bitte vorher gehört? Eine der Kisten bestand beinahe ausschließlich aus Ratgebern darüber, wie man durch Egoismus ein glücklicherer Mensch wird. Ich meine, wer besitzt bitte so viele Lebensratgeber? Geht es der entsprechenden Person gut? Und vor allem, funktioniert es????

 

Die ganz schrägen Funde

Im Grunde gehört dieses kleine Beispiel immer noch zur oberen Kategorie. Da es mir aber so besonders im Gedächtnis geblieben ist, würde ich sie gerne noch einmal besonders hervorheben: Eine der Kisten ist beinahe ausschließlich mit alten Science-Fiction Büchern gefüllt. Das an sich fand ich schon interessant genug, da in diesen Büchern teilweise mit Technologien, über die wir selbst heute noch nicht verfügen, so „einfache“ Dinge wie die erste Mondlandung angestrebt werden. Ich fand es wirklich faszinierend, über diese Geschichten noch einmal von unserem heutigen Blickwinkel her drüber zuschauen. Viel spannender war dann aber noch, von wo die Bücher stammten: Fast alle der Bücher in der Kiste  wurden zur Zeit des kalten Krieges in Osteuropa geschrieben, was man ihnen auch deutlich anmerkte. Die politische Überzeugung war kaum hinter den Zeilen versteckt, vor allem, weil es ja in der Natur der Science-Fiction liegt, einen zukünftigen Punkt als Handlungszeitraum auszuwählen und diesen den eigenen Vorstellungen entsprechend zu gestalten – und für ein Buch aus der sowjetischen Einflusszone musste diese Zukunft vermutlich den Untergang des Kapitalismus und ein Aufleben des Kommunismus skizzieren. Die Bücher auf diesen politischen Komponente  hin zu untersuchen war beinahe genau so unterhaltsam, wie den erträumten technischen Fortschritt mit dem Tatsächlichen zu vergleichen. ( Der Geschichts-LK lässt sich wohl doch nicht so einfach abschütteln, die geistige Quellenkritik war schon geschrieben). Eine schräge Mischung, die mir so noch nicht untergekommen war, weil solche Bücher aus vielen verständlichen Gründen nicht im Buchhandel stehen.

Erst nach und nach bin ich beim Durchschauen auch auf Bücher, die auf Werken von amerikanischen Autoren wie Steven Spielberg beruhten, gestoßen. 

Bei dieser Kiste, genau wie bei der vorherigen, habe ich das Gefühl, dass diese Ansammlung von Büchern selbst eine Geschichte erzählen. Nicht die, die in ihren Seiten enthalten ist, sondern vielmehr, eine Geschichte von der Person die sie einmal besessen hat, die sich dazu entschied, diese spezielle Kombination an Büchern zu kaufen und in ihr Regal zu stellen, und die sie dann aber irgendwann wieder abtrat. Es ist wie der Blick ins Regal, den ich zu Anfang erwähnt hatte, nur, dass der Blick ins Regal eine Momentaufnahme ist und  diese abgegebenen Kisten wie ein verschlüsselter Flashback.

Sie erzählen uns etwas darüber, wer diese unbekannte Person war, zumindest für eine Zeit ihres Lebens. Nämlich zum Beispiel jemand, der aus irgendeinem Grund „Leitfäden zum Glück“ in großen Mengen besessen hat, jemand, der vielleicht mit viel Einsatz nach eben diesem Weg zum glücklichen Leben gesucht hat oder aber auch jemand, der sich einfach sehr für diese spezielle Thematik interessiert hat, möglicherweise aus wissenschaftlichem Interesse. 

Und manchmal, ja, manchmal könnten diese Kisten auch größere Bewegungen in der Gesamtgeschichte wiederspiegeln – wie etwa amerikanische Science-Fiction Bücher, die auf einmal in einem Meer von osteuropäischen Exemplaren desselben Genres auftauchen.

 

Aber wer weiß das schon? Ich sicher nicht. Ich blättere nur die Seiten zwischen alten Einbänden um und gerate ins Spekulieren. Aber ich hoffe, dass, wer immer diese Personen waren, sie glücklich mit ihren Büchern gewesen sind. Dass die Ratgeber geholfen haben, dass die Reisen der Kosmonauten und Astronauten, oder wie auch immer man sie nennen will, den Leser mitreißen konnten und ihr Geld wert waren, und dass all die alten Kinderbücher irgendwo jemanden genauso glücklich gemacht haben wie mich, als ich jünger war.

 

Und ich frage mich, was für eine Geschichte meine Bücherregale erzählen, wenn man sie eines Tages aus einem Haus herausschafft, in dem sie nicht mehr gebraucht werden.

 

 

 

Was erzählen eure Bücherregale, was denkt ihr? 

Eine schöne Woche!

 

 

Die Sache mit der Wahrnehmung – Eine kleine Meinung zum personalen Erzähler

Als Autor kann man seinen Leser an viele verschiedene Aussichtspunkte bugsieren. Man kann ihn, mithilfe eines eher auktorialen Erzählers, von oben auf die Handlung blicken lassen, von wo man Zusammenhänge und Muster schneller erkennt, man kann ihn neben die Charaktere, quasi auf Augenhöhe verpflanzen, aber dennoch die Distanz waren, oder aber, man weist ihm einen Platz mitten im Bewusstsein einer Figur zu und lässt ihn an den Untiefen der dort ebenfalls beheimateten Gedanken teilhaben.

Wie ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnt hatte ( hier ), ist letzteres, zumindest meinem Empfinden nach, im Moment ziemlich in Mode. Das ist nichts Schlechtes, im Gegenteil, Bücher mit einem solchen Erzähltypen lassen sich für mich sehr angenehm lesen, ich habe gerne ein bisschen Einblick in die Psyche von Charakteren und schreibe auch gerne selbst so. Ich finde, es zieht einen mehr in die Geschichte hinein. Wenn es richtig gemacht wird.

Und da kommt der Knackpunkt.

Wie, bitte, macht man es richtig????

Tatsache ist: Ich weiß es nicht. Gerade bei so kreativen Sachen wie Schreiben ist „richtig“ oder „falsch“ oft eher so ein vages Ding, dass lose in der Luft schwebt. Was einigen richtig vorkommt, stößt andere vielleicht eher ab, die Natur hat uns allen verschiedene Vorlieben mitgegeben – Ich bin kein Fan von klischeehaften Romanzen, andere horten derartiges geradezu zuhause. In diesem Sinne kann ich an dieser Stelle nichts weiter anbieten als meine Meinung. Und wie man aus dem Titel vielleicht schon herauslesen konnte, werde ich das auch tun.

Eine Gefahr, die sich in der Arbeit mit dem personalen Erzähler verbirgt, ist, sich in den Gedankengängen zu verlieren und über die innere Handlung komplett die äußere zu vergessen. Zugegeben, das muss nicht unbedingt ein Problem sein, je nach Schreibstil oder Literaturgattung ist es eventuell sogar gewünscht  – dieses Überwiegen der inneren Handlung ist zum Beispiel ein oft wiederkehrendes Merkmal von Kurzgeschichten – , aber in längeren Erzählungen wie Büchern kann es ermüdend werden und den Leser langweilen. Wenn Seitenlang nichts wirklich voran geht und der Protagonist nur vor sich hingrübelt und ansonsten nichts passiert, verlischt auf Dauer das Interesse.

Ein weiteres Problem liegt darin, dass man leicht in die Falle tappt, seinem Publikum alles, was in den Charakteren vorgeht, zu offensichtlich aufs Tablett zu legen. „Show, don`t tell“, lautet eine oft zitierte Devise, und wenn man die Gedanken der Figuren vor dem Leser ausbreitet, verheddert man sich leicht darin, jede einzelne Regung einfach aufzuschreiben, anstatt sie anderweitig deutlich zu machen. Manchmal ist es besser, nicht alles genau aufzuschreiben, sondern nur die Spuren zu legen. Immerhin, vielleicht ist der betreffende Charakter selbst sich ja nicht über sein Innenleben im Klaren? In diesem Fall können die Leser selbst zusammenpuzzeln, was genau hinter diesen Spuren steckt und erhalten so vielleicht eine bessere Idee von der Persönlichkeit der Figur – weil sie sich selbst ein Bild gemacht haben, und nicht vom Autoren/der Figur gesagt bekommen haben, wer diese ist. Echte Menschen können manchmal nur schwer benennen, was sie ausmacht, während ihre natürlichen Gedankengänge, Handlungen und Aussagen das einem Außenstehenden offensichtlich machen können – warum sollte es bei  Buchfiguren anders sein?

Beide Schwierigkeiten sind Dinge, die mir selbst immer wieder ins Manuskript rutschen, und an denen ich noch feile. Aber jetzt zu dem Punkt, der mich am meisten am personalen Erzähler fasziniert: Die Möglichkeiten.

Ich finde, dass viel zu selten davon Gebrauch gemacht wird, dass man im personalen Erzähler die Welt durch die Augen einer bestimmten Person sieht. Verschiedene Menschen haben oft eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung von der Welt – und wenn man in seiner Geschichte von Zeit zu Zeit den Charakteren wechselt, aus dessen Sicht man schreibt, kann man meiner Meinung nach tolle Dinge damit machen – und sollte es auch tun! Vielleicht gibt es einen hektischen, immer übereiligen Protagonisten, dem Dinge entfallen oder gar nicht erst auffallen? Dann existieren diese Dinge in seiner Wahrnehmung auch erstmal nicht, also bekommt der Leser, der in dessen Kopf sitzt, auch nichts davon mit. Du möchtest aber, dass der Leser Zugang zu dieser Information bekommt, weil sie später wichtig werden könnte? Nun, vielleicht hat dein hastiger Protagonist einen etwas wachsameren Freund, in dessen PoV-Abschnitten diese Dinge dann wieder auftauchen. Auf diese Weise wird auch der Unterschied zwischen den beiden Persönlichkeiten stärker verdeutlicht und greifbarer.

Dasselbe gilt, wenn man einem Charakter eine politische Überzeugung geben will, aber Einseitigkeit fürchtet: Wenn man es schafft, zwei Charaktere mit gegensätzlichen Ansichten gleich überzeugt zu schreiben, dann wiegen sich ihre Argumente ganz natürlich gegeneinander ab.

Bis zu einem gewissen Grad ist diese Idee auch in „Die Insel der drei Völker – der blaue Säbel“ eingeflossen. Folgt man Anfangs vor allem Juna und wird mit ihrer Weltsicht auf die Reise über die Insel geschickt, wird man später noch mit anderen Sichtweisen konfrontiert. Ich habe schon von Lesern gehört, die angesichts der fremden Welt, in der die Geschichte spielt, Junas Meinung für Fakten gehalten haben und dann von späteren Szenen überrascht wurden. Das ist ein Punkt, an dem sich die Meinungen spalten können. Man könnte sagen, dass dies ein Zeichen dafür ist, dass für die spätere Szene nicht die richtige Vorarbeit geleistet wurde, aber ich denke nicht so. In „der blaue Säbel“ fallen wir mit Kira in eine Welt, die wir so auf Anhieb nicht ganz verstehen können, und Juna ist die erste, die sie uns erklärt – Junas Ansicht ist erst einmal wie die einzige Rezension unter einem beliebigen Amazonartikel, den wir selber noch nicht ausprobiert haben. Wir glauben es vorerst – bis wir es vielleicht selber kaufen, und bemerken, dass das Ding vielleicht doch nicht ganz so gut/schlecht ist wie behauptet. Dass diese fiktive Realität, die sich von der Meinung des fiktiven Erklärers unterscheidet, überrascht, halte ich also für natürlich und für ein Zeichen, dass Junas Sicht und das Innere ihres Kopfes gut zwischen den Zeilen herübergekommen ist.

Auf etwas andere Art experimentiere ich momentan mit dem personalen Erzähler in einer meiner Wattpadgeschichten herum (dieser hier um genau zu sein, „Batsong“, falls jemand mal reinlesen möchte). Meine Wattpadgeschichten sind für mich generell Orte, an denen ich ein wenig herumspielen und ausprobieren kann (Also dass, was ich mich in meinen „richtigen“ Büchern nicht traue), und so ist es auch hier der Fall. Der Hauptcharakter in „Batsong“ ist Jess, die zum Anfang, um ehrlich zu sein, recht Ich-bezogen ist. Vieles, dass in ihren engen Bekannten oder Freunden vorgeht nimmt sie nicht wirklich wahr, und dementsprechend entgehen ihr zum Beispiel Regungen in der Mimik anderer Charaktere, die ich normalerweise beschreiben würde, um dem Leser auch Informationen über diese Nebencharaktere zu geben oder zu verdeutlichen, wie nahe sich einzelne Personen stehen und wie gut sie sich kennen. Aus Jess Perspektive fällt das weg. Von Zeit zu Zeit fällt ihr zwar etwas auf, aber sie ist nicht in der Lage, es richtig einzuordnen und denkt normalerweise nicht lange darüber nach. Der Leser kann diese Kleinigkeiten, die Jess für nicht wichtig hält aber mit den Informationen, die er aus anderen Abschnitten, die aus der Sicht von Nebencharakteren geschrieben sind, erhält, aber für sich selbst einsortieren und hat so trotz ihrer eingeschränkten Wahrnehmung auch ein umfassenderes Bild vom Geschehen. Quinn, der unsichtbare Junge, der sich in der Nähe von Jess bester Freundin herumtreibt, ist zum Beispiel ein guter Beobachter, der die Menschen um sich herum genauer studiert und den Leser auch daran teilhaben lässt. (Zumindest hoffe ich das – wie gesagt, Wattpad ist ein wenig wie mein Experimentierlabor was das Schreiben angeht)

 

 

So, das hätten wir geschafft. Danke für das Lesen meiner kleinen Ausführung. Habt ihr eine Meinung zu dem Thema? Wenn ja, lasst es mich gerne wissen!

 

Aber auch ansonsten, eine wunderschöne erste Oktoberwoche!

Schreiborte

Wenn man über den Entstehungsprozess von Büchern und Geschichten spricht, geht es oft um das „Wie“, das „Warum“, vielleicht auch um das „Wann“ und „Wie lange“, aber etwas, dass meiner Meinung nach auch etwas Aufmerksamkeit verdient, ist das „Wo“.

Einfach, weil die Antwort auf das „Wo“, also, wo man sein Buch schreibt, ungefähr genauso vielfältig ist wie die Schreibstile der Autoren selbst. Trotzdem habe ich mal ein paar häufig vertretene „Schreiborttypen“ zusammengetragen. 

Es gibt Autoren, die, um sich vernünftig auf ihr Werk konzentrieren zu können, eine gut geordnete Umgebung brauchen und auch alles in allem sehr organisiert arbeiten. Ihr Arbeitsplatz ist im Normalfall gut aufgeräumt und sauber, vielleicht ergänzt durch eine Pinnwand mit Notizen zu ihrer Geschichte oder einem Plot-Plan, um auch dort den Überblick zu behalten.

Am wichtigsten ist, dass man sich an seinem Schreibort wohlfühlt, was von Person zu Person natürlich vollkommen unterschiedliche Dinge bedeutet. Für Manche bedeutet das, im Gegensatz zum letzten Beispiel, eine leichte Unordnung, ein „kreatives Chaos“, in dem die Inspiration besser fließt.

Wieder andere ziehen sich zum Arbeiten bevorzugt in eine vorübergehende Isolation zurück. Um Buchstaben aufs Papier zu bringen, brauchen sie vor allem Ruhe. Vielleicht hat man in so einem Fall ein kleines Büro extra für das Schreiben, dass man abschließen kann, um sich vor unwissenden Störenfrieden zu schützen? Oder geht man, wenn man Geld hat, vielleicht sogar noch ein Stück weiter und verschwindet zum Schreibmarathon in irgendein abgelegenes Ferienhaus? Egal wie, Hauptsache, man denkt daran, das Handy auszuschalten.

Eine Sache, die man vor allem in Filmen, Serien oder Büchern häufig sieht, ist der Autor, der im Cafè schreibt. Die Idee hier ist, vermute ich zumindest, dass man an so einem belebten Ort besser Inspiration für sein Buch findet – und natürlich, dass man neben her noch essen kann.

Ziemlich damit verwand, aber doch noch ein bisschen mehr an die Freunde der Stille gerichtet ist ein Tipp gegen Schreibblockaden, der mir einmal in einem Ratgeber über den Weg gelaufen ist: Man könne sich zum Schreiben ja in eine Bibliothek begeben. Für einen Buchfan ist das auf jeden Fall eine super Atmosphäre, in der einem das Arbeiten sicher leichter fällt.

Und dann gibt es da noch die Leute, deren Arbeitsplatz immer da ist, wo sie gerade sind: Im Zug, im Bus, im Park, in der Cafeteria oder ganz woanders.

Natürlich ist der Schreibort nicht nur dadurch bestimmt, wo man ist, sondern auch durch andere Dinge. Vielleicht hat sich bei dem ein oder anderen ja die Gewohnheit eingeschlichen, beim Schreiben immer eine Tasse Tee zu trinken, oder sich Dinge in einem bestimmten Notizbuch zu notieren. Oder man schreibt zu bestimmten Zeiten: Genau im Zeitplan oder dann doch irgendwie immer um 3 Uhr nachts kurz vorm Umfallen. Möglicherweise braucht man seine Playlist oder den Fernseher im Hintergrund.

Ich persönlich schreibe hauptsächlich zuhause, auf meinem Schreibtisch, wo ich Ruhe habe und diverse Notizbücher und meine Zettelsammlung am Kleiderschrank, über die Informationen und Planungen verstreut sind.

Ich kann allerdings auch überall anders schreiben und tue das auch, wenn es passt, solange ich die Gewissheit habe, dass mir der Laptop nicht vom Schoss geschlagen wird.

Und ihr?

 

Eine schöne Woche noch!

 

 

 

 

Frauke Mählmann Shorts – Der Geist in der Flasche

Schatten kringelten sich in dem Glas, dass vor der Nase von Robb Blake seit geschlagenen zehn Minuten unangerührt auf dem Bartresen ruhte. Der Anblick jagte ihm einen Schauer über den Rücken, aber er konnte seinen Blick nicht davon lösen. Er war sich nicht ganz sicher, wie viel davon sich in seinem Kopf abspielte. Er war sich mit gar nichts mehr sicher. Nicht nach heute Nachmittag

Es war das verfluchte Museum. Natürlich war es das. Wie konnte ein Mensch jeden Tag acht Stunden umgeben von alten Skeletten und Schädeln arbeiten, ohne dabei irgendwann Geister zu sehen? Das würde es sein. Dieser Ort war es, der ihn um seinen Verstand brachte. Er wünschte sich, seine Cousine Betty wäre nicht mit dem Museumsdirektor verschwägert und hätte ihm nie dieses Jobangebot gemacht.

„Wie sind uns doch wohl einig“, Jack Ansmann, Robbs Kollege, schwenkte mit gerunzelter Stirn sein zweites Glas Whisky im Kreis, „dass wir das, was wir gesehen haben, gar nicht gesehen haben können, richtig?“

Richtig. Schatten verwandelten sich nicht in Schlangen mit Menschengesichtern. Er nickte, ohne seinen Blick vom Glas zu heben. Eine der Schattenhände darin schien ihre Finger nach ihm auszustrecken.

„Also haben wir es auch nicht gesehen.“, murmelte Jack weiter vor sich hin, „wir können es nicht gesehen haben, wir haben es nicht gesehen. Ich habe beim letzten Trainingskampf einen heftigen Schlag abbekommen, dass ist alles. ja?“

Klang sinnvoll, zumindest in Robbs Ohren. Sie hatten beide halluziniert. Dasselbe. Zufällig. Sein Magen krampfte sich zusammen. Seltsame Zufälle gab es heutzutage.

„Ich werde mal zum Arzt gehen damit“, Jack setzte sein Glas an. Seine Finger zitterten, und die meiste Flüssigkeit lief ohne Nutzen sein Kinn herunter und tropfte auf seinen Anzug.

Halluzination. In dem Wort lag so viel Sicherheit, dass Robb es in seinem Kopf noch ein paar Mal wiederholte.

Halluzination. Halluzination. 

Er musste raus aus dem Museum. Egal, dass ihn das zum wiederholten Mal seinen Job kosten würde. Nie wieder würde er einen Fuß in dieses verfluchte Haus setzen.

Jack bestellte ein weiteres Glas.

Robb Blake würde am nächsten Morgen wie immer auf der Arbeit erscheinen. Jack Ansmann würde nicht zum Arzt gehen.

 

Und im Museum war schon lange das Chaos ausgebrochen.

 

 

 

 

 

Eine schöne Woche noch!

Ende der Buchverlosung

Zugegeben, die Buchverlosung an sich ist schon seit längerem vorbei, einige der Gewinner haben sich aber trotzdem noch die Zeit genommen, mir ihre Ansichten und Meinungen mitzuteilen.

 

Großes Dank nochmal an alle, die daran teilgenommen haben! 

Ich kann nur noch einmal betonen, wie viel Spaß mir diese Lovelybooksaktionen machen und für wie wichtig ich diesen Austausch mit den Lesern halte.

Ich habe auch dieses mal einiges an wertvoller Rückmeldung erhalten, dass mir sicher helfen wird, meine zukünftigen Schreibarbeiten zu verbessern.

 

Nur um euch alle wissen zu lassen, dass ich in der Tat noch da bin, nachdem ich letzte Woche ja nicht zum posten gekommen bin.

 

Eine schöne Woche!

Jenseits der Träume Lore – Der „Zyklus der Äonen“

(…) was in Stein gemeißelt worden war, durften spätere Generationen nicht auslöschen. Nur Ergänzen.

Die Insel der drei völker – der blaue Säbel, S.305

Auf der vergleichsweise kleinen Insel „Jenseits der Träume“ leben drei verschiedene Bevölkerungsgruppen recht eng beieinander – ihre Hauptsiedlungen liegen nicht viel weiter als ein oder zwei Tagesreisen auseinander, von der Geschwindigkeit des Reisenden und seinem Willen, ans Ziel zu kommen, anhängig.

Trotzdem hat sich in jeder dieser drei Siedlungen über Jahrhunderte hinweg eine Gesellschaft entwickelt, deren Kultur, Wertvorstellungen und Traditionen zwar im Kontext zu den jeweils anderen stehen, aber dennoch eigenständig voneinander sind. Das gilt vor allem für die Meerjungfrauen, die als einziges der drei Völker nicht zur Gruppe der Elfen gehören, im allgemeinen über ein tendenziell verschlossenes Naturell verfügen und geographisch durch ihren Lebensraum in der Bucht abgeschottet sind.

Eine dieser speziellen Eigenarten, die die Bewohner von Walla a Leua tief in ihrer Kultur verwurzelt haben, ist ihre Art mit Schriftzeugnissen umzugehen.

Nun, es ist nicht so, als würden sie Akten oder Bücher sammeln, denn in der Dunkelheit ihrer Heimat ist beschriebenes Papier ungefähr genau so wertvoll wie Feuerholz – was für eine Spezies, die gelinde gesagt, allergisch auf Hitze reagiert, ziemlich nutzlos bedeutet. Stattdessen haben sie schon in sehr früher Zeit angefangen, ihre Geschichten und Erlebnisse, alles, was die Mühe wert schien, in die Steinwände ihrer Behausungen zu ritzen – und zwar in großen Zeichen, damit ihr erstaunlich genauer Unterwassersinn, der Schwingungen in der Luftschicht um sie herum wahrnimmt und daraus ein Bild ihrer Umgebung herstellt, die Buchstaben erfassen konnte. 

Viel Interessanter ist jedoch, dass sie, an irgendeinem Punkt ihrer Geschichte, ein Gesetzt aufstellten, dass es ihnen verbot, irgendeine dieser Aufzeichnungen zu vernichten. Wieso, das hat keiner aufgeschrieben oder weitererzählt, aber es geht wohl darauf zurück, dass es einen allgemeinen Konsens unter den Meerjungfrauen darüber gab , dass Informationen über die Vergangenheit zu wichtig waren, um verloren zu gehen, und in Ehren gehalten werden sollten. Anfangs war es nur eine Regel unter vielen, genauso wie das obligatorische Verbot, nicht zu stehlen, das wohl in den meisten Kulturen existiert, aber im Laufe der Zeit wuchs es in den Köpfen der nachfolgenden Generationen geradezu zu einem Naturgesetz heran. Die Meerjungfrauen zu Alinas Zeiten kennen nicht einmal mehr eine Strafe dafür, alte Steinzeichnungen zu vernichten, einfach, weil alleine die Vorstellung dass jemand sich zu so etwas hinreißen ließe so undenkbar geworden ist.

Unter genau diesen Umständen ist eines der bedeutendsten Stücke der merjuanischen Literatur entstanden: Der sogenannte „Zyklus der Äonen“.

So ziemlich jede Meerjungfrau in Walla kann zumindest Ausschnitte dieses Brockens an Dichtkunst auswendig aufsagen, und Teile des Stückes sind über die ganze Stadt verteilt, in mehrfacher Ausführung. Spricht eine Meerjungfrau vom „Zyklus“ ist es allerdings am wahrscheinlichsten, dass sie damit auf die große Mauer auf dem Marktplatz, auf der er in voller Länge eingraviert ist, anspielt.

Der „Zyklus“ hat keinen bestimmten Autor. Er besteht vielmehr aus einer Sammlung von Dichtungen, die durch die verschiedensten Epochen hinweg von unterschiedlichen Meerjunfrauen verfasst wurden. das bedeutet, dass er als gutes Zeitzeugnis für über tausend Jahre von Wallas Geschichte taugt – er zeigt, was die Buchtbewohner all dieser Zeiten beschäftigte und bewegte, und wie sie damit umgingen. Nicht selten sind daher auch eine oder mehrere Passagen nicht mit dem aktuellen Weltbild oder der aktiven Politik des Königshauses kompatibel… So findet sich einige Verse, die eine Partnerschaft mit den Lichtelfen im Süden anpreisen, in den frühen Zeilen des „Zyklus“, die vor allem zur Zeit von „Der blaue Säbel“ Unmut unter den Meerjungfrauen erregten. 

Obwohl man nichts herausstreichen darf, ist der „Zyklus“ allerdings nicht vor Kommentaren geschützt. Denn Ergänzen, das ist im antiken Gesetz ausdrücklich erlaubt, und so kommt es immer wieder vor, dass man in den Gassen Walla a Leuas an Versionen der Sammlung vorbeistreift, die mit Kommentaren, persönlichen Meinungen oder schlicht Geschmiere gerade zu zugebaut sind… Der Originaltext bleibt jedoch  immer weitgehend erhalten.

 

Nur an die große Wand am Markt, an die traut sich wirklich kaum jemand heran… 

Aber schließlich gilt auch für das Geschmiere: Es ist in Stein gemeißelt. Es bleibt, denn keine Meerjungfrau würde jemals Hand daran legen.

Und wer würde schon wollen, dass irgendein wütender Kommentar, den man nachts um drei auf dem Nachhauseweg von sonst irgendwo her neben ein Stück antike Literatur gekritzelt hat, auf ewig an einem Ort zu sehen ist, den jeder, den man kennt und jemals kennen wird oder gekannt hat beinahe täglich besucht?

 

In diesem Sinne, eine schöne Woche!

 

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